„Trumps Chance auf Wiederwahl liegt über 50 Prozent“

„Trumps Chance auf Wiederwahl liegt über 50 Prozent“

Im Gespräch mit n-tv über Trumps Wiederwahlchancen. „Trumps Strategen gehen sehr systematisch vor“, sagt er. „Sie verquicken traditionelle Form des Wahlkampfes mit dem digitalen Zeitalter.“

n-tv.de: Die meisten Beobachter sind mit Prognosen vorsichtig geworden, nachdem Donald Trump 2016 Präsident geworden ist. Wie schätzen Sie seine Chancen für 2020 ein?

Mario Voigt: Ich glaube, seine Chancen liegen über 50 Prozent. Er hat für seine Wiederwahlkampagne bereits mehr als 100 Millionen Dollar und mehrere tausende Unterstützer gesammelt. Das Level an Enthusiasmus bei seinen Kundgebungen ist sehr hoch – er zieht mehr Menschen an als Barack Obama früher. Insgesamt erinnert sein Situation an die von Obama 2010. Damals hatten die Demokraten bei den ersten Zwischenwahlen seiner Amtszeit auch die Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren. Er schaffte die Wiederwahl 2012 trotzdem. Insofern sprechen einige Punkte für Trump.

Aber?

Bei seiner Persönlichkeit gibt es genügend Abrisskanten und Überraschungen. Letztlich kann er nur eine Taktik richtig gut: polarisieren, in die Herzen der Menschen greifen und Emotionen auslösen – das ist Trumps Strategie, die er allerdings perfektioniert. Irgendwann könnten die Amerikaner davon genug haben.

Könnten Sie die Parallele zu Obama erläutern?

Bei Nachwahlbefragungen bei den Midterms 2010 wurden Wähler gefragt, ob sie Obama wiederwählen würden. Er lag damals bei 43 Prozent. Bei Trump waren es bei den Zwischenwahlen im vergangenen November 38 Prozent, also nicht so weit entfernt. Obama startete seinerzeit neue Initiativen, die von den Republikanern im Kongress nicht unterstützt wurden, so dass er sie als Blockierer darstellen konnte. Das ist ziemlich präzise der Weg, den Trump heute geht. Im Moment sieht es so aus, als würden der Shutdown und der Streit um die Mauer ihm schaden. Langfristig könnte es ihm eher nutzen.

In den Umfragen steht Trump derzeit unter 40 Prozent Zustimmung.

Der Anteil derjenigen, die sagen, dass sie ihn als Person mögen, ist weiterhin etwa so groß wie in den Umfragen zur Präsidentschaftswahl 2016. Seine Basis ist stabil, und die wird er bedienen. Gleichzeitig wird er versuchen, den potenziellen Kandidaten der Demokraten als unwählbar darzustellen und so unentschiedene Wähler auf seine Seite zu ziehen. So machte es Obama damals auch mit Mitt Romney.

Würde ein unabhängiger Kandidat wie der frühere Starbucks-Chef Howard Schultz Trump nutzen?

Definitiv. Sollte jemand wie Schultz antreten, ginge das auf Kosten der Demokraten. Trump würde das in die Hände spielen.

Braucht Trump auch vorzeigbare Erfolge, um seine Anhänger bei der Stange zu halten? Etwa seine Mauer?

Die Mauer war sein zentrales Wahlversprechen, er muss zeigen, dass sie gebaut wird. Daran wird er gemessen. Konservative Kommentatoren wie Ann Coulter kritisieren ihn mittlerweile scharf, weil er hier noch nichts vorweisen kann. Aber Trump ist kein klassischer Republikaner, er ist seine eigene Marke, die über das Wählerpotential der Republikaner hinausreicht. Ein weiterer Vorteil für ihn: Die Demokraten sind unsicher, mit welcher Strategie sie ihn angreifen sollten. Er steht bereits als Kandidat der Republikaner fest, die Demokraten haben dagegen einen sehr langen, harten und kostenintensiven Vorwahlkampf vor sich.

Ist das nicht auch eine Chance?

Nur zum Teil. Die Polarisierung in den USA führt dazu, dass die Anhängerschaften beider Parteien sich immer stärker von der Mitte wegbewegen. Die demokratischen Kandidaten sind in den Vorwahlen daher gezwungen, sich weiter links zu positionieren als später im Präsidentschaftswahlkampf. Sie könnten 2020 in eine Situation kommen, dass sie zwar ihre eigene Basis ansprechen, aber die moderaten Wähler nicht erreichen.

Was für einen Typus Politiker müssten die Demokraten aufstellen, um gegen Trump erfolgreich zu sein?

Kamala Harris ist eine interessante Kandidatin. Als Tochter einer indischen Mutter und eines jamaikanischen Vaters repräsentiert sie den Anspruch der Demokraten, Politik für Minderheiten und Frauen zu machen. Das ist zugleich ein Risiko.

Warum?

Trump wird nicht nur an der Mauer gemessen werden, sondern auch an der Performance der Wirtschaft und im Kontrast zum demokratischen Herausforderer. Wenn die Wirtschaft halbwegs läuft und auch Jobs in den eher industriell gebeutelten Mid-West-Staaten entstehen, dann brauchen die Demokraten einen Kandidaten, der dieses Thema vernünftig repräsentiert. Eine Frau aus Kalifornien bietet da im kommunikativen Straßenkampf des digitalen Zeitalters ziemlich viel Angriffsfläche. Klick um zu Tweeten Zudem neigen die Demokraten dazu, ihren Schwerpunkt auf die Interessen von Minderheiten, auf Identitätsthemen zu legen. Das hat beim letzten Mal in den Battleground-States, die die Präsidentschaftswahlen entscheiden, nicht gereicht. Wenn sie diese Strategie wieder fahren, werden sie verlieren. Eigentlich bräuchten die Demokraten einen Kandidaten wie Joe Biden, der die eigene Basis anfeuert und zugleich einen moderaten Anspruch formuliert. Aber Biden ist schon 76 Jahre alt.

Wann hat diese extreme Polarisierung der US-Gesellschaft eigentlich begonnen?

„Blue and Red America“ ist schon lange eine Chiffre für gespaltene politische Kultur der USA. [Blau ist die Parteifarbe der Demokraten, Rot die der Republikaner, Anm.d.Red.] Es gibt eine spannende Untersuchung des Pew Research Institute, die zeigt, wie sehr die Polarisierung seit Anfang der 1990er Jahre zugenommen hat. Immer weniger Amerikaner fühlen sich der politischen Mitte zugehörig. Viele Anhänger der Demokraten und Republikaner haben ausschließlich Freunde, welche dieselbe Partei wählen. Dieser Trend hat nicht erst mit Trump begonnen, Trump hat diese Polarisierung im digitalen Zeitalter nur verstärkt. Klick um zu Tweeten Das ist auch nichts originär Amerikanisches. Wir erleben ja auch in anderen Ländern, dass ein Teil der Bevölkerung das Gefühl hat, dass die klassischen Politiker und Parteien sie nicht mehr erreichen, dass Antiglobalisierungs- und Antimodernitätstendenzen stärker werden. Deswegen geben Wähler Leuten wie Trump oder Duterte auf den Philippinen oder – positiv gewendet – auch neuen Kandidaten wie Emmanuel Macron eher das Vertrauen als klassischen Kandidaten.

Sie haben erwähnt, dass nach wie vor viele Menschen zu Trumps Kundgebungen gehen. Welche Rolle spielen solche Veranstaltungen in Wahlkämpfen in den USA?

Rally mit Donald Trump jr.

Trumps Strategen gehen da sehr systematisch vor. Sie gehen mit diesen Kundgebungen vor allem in Regionen, die nicht zu den typischen Hotspots zählen. Wenn Trump kommt, ist das dort ein kulturelles Event mit Vor- und Nachprogramm. Zugleich verquicken sie diese sehr traditionelle Form des Wahlkampfes mit dem digitalen Zeitalter. Die Reden werden nicht nur live gestreamt, sondern Trump oder seine Kinder nehmen sich dann mindestens noch einmal so viel Zeit, um Selfies zu machen. So dringt Trump in die sozialen Netzwerke ein und erzielt einen Viralitätseffekt, der um ein Vielfaches größer ist als das Event an sich. Die Kundgebungen werden genutzt, um die Basis anzufeuern, aber auch, um auf das Handy von möglichst vielen Menschen zu kommen.

Gibt es da etwas, das deutsche Parteien, beispielsweise Ihre Partei, die CDU, von dieser Art des Wahlkampfes lernen können?

Die amerikanischen Wahlkämpfe sind sehr viel teurer als ein europäischer Wahlkampf und unsere politische Kultur im Mehrparteiensystem ist anders. Das steht in keinem Verhältnis. Aber die zentrale Nutzung von Technologien oder Events sehen wir auch in Deutschland bei allen Parteien: konzentrierte Medienereignisse, über die Sie als Journalist berichten, zugleich ein Ansprechen in sozialen Netzwerken, um die Reichweite zu erhöhen. Nehmen Sie den Wahlkampf von Manfred Weber, …

… der Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei für die Europawahl im Mai.

Er nutzt Instagram, Twitter und Facebook, wo er auch Teilhabeelemente einsetzt, auf eine sehr kluge Art und Weise. Da gibt es einen weltweiten Lernprozess – Trump hat das ja nicht erfunden, das kommt aus asiatischen Wahlkämpfen, deren Intensität deutlich höher ist.

Aus Asien?

Ja, klar. Dort sind viele Wähler anzusprechen und Ideen sprießen – ob 3-D Hologramme von Spitzenkandidaten in Indien oder Text-Messaging in Südkorea. Der größte Trend bei den amerikanischen Midterms im vergangenen Jahr war die Wähleransprache über groß angelegte SMS- Kampagnen. Das ist deutlich effektiver als mit E-Mails, wo die Öffnungsraten nur bei zehn Prozent liegen. SMS lesen die Leute so gut wie immer. Über 90 Prozent öffnen die Nachrichten in den ersten fünf Minuten in den USA.

In Deutschland kann so etwas wohl nicht eingesetzt werden?

Vermutlich ist das aus Gründen des Datenschutzes nicht möglich. Bei meiner Wahlkampfbeobachtung konnte ich mir anschauen, mit welcher Datenbasis die Republikaner und die Demokraten Wahlkampf machen. In deren Datenbanken finden sich über 199 Millionen Menschen, auf beiden Seiten. In den besonders umkämpften Staaten, den ungefähr 18 Battleground-States, verfügen die Parteien über bis zu 5000 Einzelinformationen zu einem Wähler. Theoretisch macht das eine maßgeschneiderte Kommunikation zu jedem Einzelnen möglich. Das können sich allerdings selbst amerikanische Kampagnen nicht leisten.

Mit Mario Voigt sprach Hubertus Volmer

Quelle: n-tv.de

https://www.n-tv.de/politik/Trumps-Chance-auf-Wiederwahl-liegt-ueber-50-Prozent-article20843987.html

Europe: Competitive or colony of Tech empires in USA or China?

Europe: Competitive or colony of Tech empires in USA or China?

The world is in a New Moon Race. Looking at the digital economy, today’s world is organized around two centers of gravity: the U.S. and China. They are home to nine of the top 10, and 18 of the top 20 internet companies as measured by market capitalization. All the leading companies in online search, social media, and e-commerce are based there. But as the digital transformation continues, other industries like automotive, manufacturing, financial services or health care are following, new technological developments in AI, IoT or Big Data spark an even faster and widespread disruption.

In an age of a growing digital economy, Europe’s prosperity is created, not inherited. The future of Europe depends on a competitive mindset and a willingness to gain advantage against the world’s best competitors in the U.S. and China. Hence, Europe’s competitiveness depends on the capacity of its society, politics and economy to innovate and upgrade. As European companies and governments consider their own stakes in the game, a critical question remains: Are Europeans defying the two centers of gravity?

State of Play: Two centers of gravity

Today’s world is organized around two centers of gravity: the U.S. and China. They are home to nine of the top 10, and 18 of the top 20 internet companies as measured by market capitalization. Klick um zu Tweeten

Technology advances quickly and in order to measure future potential, one has to look at innovation and start-up ecosystems, investment in new technologies or market capitalization in the digital economy between in the U.S., China and Europe.

Advanced Technology: Put a Stamp on Artificial Intelligence 

Developments in Artificial Intelligence and robotics are generally recognized as a main driver of future growth, competitiveness and job creation by increasing productivity and efficiency, and lowering costs. But AI also triggers far-reaching societal and economic changes, which will transform all aspects of life from employment, the social contract to warfare. The impact of AI leadership has been summed up by Russia’s President Vladimir Putin: „whoever becomes the leader in this sphere will become the ruler of the world [1].

In Artificial Intelligence, the U.S. and China are in an arms race for global leadership. Rapid improvements in information storage capacity, high computing power, and considerable advancements of Artificial Intelligence technology in end-use industries are driving economic growth. The global artificial intelligence market size was valued at 641.9 million USD in 2017 on the basis of its direct revenue sources and at 5,970 million USD in 2017 on the basis on AI based gross value addition (GVA) prognoses. The market is projected to reach 35,870 million USD by 2025 by its direct revenue sources, growing at a CAGR of 57.2% from 2018 to 2025.[2]

Potential Revenue through AI

Source: Artificial Intelligence Market Analysis 2017

While taking an either more state-driven (China) or a more private-sector-driven (U.S.) approach, in their entrepreneurial frenzy China and the U.S. are outshining other countries. In 2017, China’s artificial intelligence start-ups took 48% of all dollars going to AI start-ups globally in, more than that of the U.S. (38%). Both combined made up for almost 90 percent.[3]

In 2017, China’s artificial intelligence start-ups took 48% of all dollars going to AI start-ups globally in, more than that of the U.S. (38%). Both combined made up for almost 90 percent. Klick um zu Tweeten
AI Funding between US and China

Source: CBInsights 2018

In July 2017, China outlined a bold multi-billion national strategic plan to catch up with global AI research by 2020 and to deliver major breakthroughs and become the world leader by 2030. On the other side however, the U.S. still leads in both the total number of AI start-ups and total funding overall. Both countries can draw from a wealth of data and opportunities for companies to scale quickly. 

For some, Europe’s role in this arms race is defined as a colony in the American tech empire.[4]Indeed, Europe still lacks a comparable AI ecosystem. Even the European Commission admits Europe is behind in private investments in AI: „2.4-3.2 billion EUR in 2016, compared to 6.5-9.7 billion EUR in Asia and 12.1-18.6 billion EUR in North America“.[5]

A lack of a strategic plan at EU level, a low level of public and external investment, a cautious adoption from companies and the general public and no EU-wide liability rules on AI and robotics are credited for the underperformance.[6]This has led European countries to lay down AI specific and comprehensive AI strategies (e.g. the UK, France), integrating AI technologies within national technology or digital roadmaps (e.g. Denmark) or developing a national AI R&D or Work strategy (e.g. Finland).

In April 2018, 25 EU countries signed a declaration to join forces and to engage in a collective „European approach” to AI. This push includes funding for research to harvest the potential of artificial intelligence.[7]Under the research programme „Horizon 2020” public funding will be 1.5 billion EUR for the period 2018-2020 and adds up to a combined public and private investment in the same period of 20 billion EUR.[8]

German Minister for Economy, Peter Altmaier, has called for a „European Airbus for AI“ as an IPCI (Important Project for Common Interest), which fits Germany’s AI Strategy to create a joint French-German AI research center.[9]In such an endeavour, European institutions will play a key role in coordinating, „filling in policy gaps that cannot be addressed solely at the national level and support the widespread development of competitive AI ecosystems throughout Europe” as well as aim for „a common, internationally recognised ethical and legal framework for the design, production and use of AI, robotics, and their increasingly autonomous systems”.[10]Protecting the privacy of the user would be a distinct different approach as the commercial quest for data and analytics of the American and Chinese ones.

It seems Europe seizes the opportunity by fostering a continent-wide collaboration to put its distinct stamp on AI as a different path than the U.S. or China. Or in the words of Emmanuel Macron: „to be an acting part of this AI revolution “.[11]

Innovation: Flourishing a Digital Start Up Ecosystem

Such an aggressive competition for innovation and new technologies spills over in the venture capital market and start-up ecosystem. The U.S. and China have the most active digital-investment ecosystems in the world. In fact, the so-called „Global Unicorn Club “, private companies in the tech sector whose value exceeds 1 billion USD, speak predominantly American-English or Chinese-Mandarin.

For the 274 companies founded in 2003 or later that have reached unicorn status, half are in the U.S. and China with its 69 has more than twice as many unicorns as Europe with 33.[12]More striking, American companies in the Silicon Valley tend to scoop up the promising digital start-ups from Europe. From 2011 to 2017, the GAFAM companies[13]have acquired more than 65 leading-edge European technology companies like Skype and AI pioneer DeepMind. And no wonder, in most cases the size of the European operation shrank after the acquisition.[14]

For the 274 companies founded in 2003 or later that have reached unicorn status, half are in the U.S. and China with its 69 has more than twice as many unicorns as Europe with 33. Klick um zu Tweeten

In China, the „Great Firewall“ of legislative actions and technologies hinders competition and helps the three Internet giants to nurture a homegrown digital ecosystem that is now spreading beyond them. Baidu, Alibaba, and Tencent[15]have been developing a multi-industry digital ecosystem that touches almost every aspect of consumers’ lives. How important Chinese digital companies are for the venture capital market are, becomes obvious by looking at the numbers. In 2016, Baidu, Alibaba, and Tencent (BAT) provided 42 percent of all venture-capital investment in China. They have a far more prominent role than Amazon, Facebook, Google, and Netflix that together contributed only 5 percent to the U.S. venture-capital investment in that same year.[16]

In China, the „Great Firewall“ of legislative actions and technologies hinders competition and helps the three Internet giants to nurture a homegrown digital ecosystem that is now spreading beyond them. Klick um zu Tweeten

In contrast, European companies make up about 11% of the total number in the „Global Unicorn Club “, that is only 30 companies. These European start-ups have an aggregate valuation of about 64 billion USD, and operate across industries including fintech, e-commerce, or healthcare.[17]Europe’s tech community seem to be still „Balkanized“ along national borders, while connections between local venture capitalists and start-up founders across the continent is needed if Europe ever wants to play in the big leagues.[18]The lack of a competitive Venture Capital market is described by the most recent numbers of 2017. From the 57 start-ups which became unicorns in 2017, 32 are from the U.S., 18 from China and just four from Europe, interestingly from UK.[19]The lack of appropriate and swift funding of new ideas to make them a product or a company is a major weakness of Europe.

Market Share: Competing in Platform Economy and E-Commerce

Even in a digital world, size matters. In a digital economy, Napoleon Bonaparte’s old saying becomes reality: „China is a sleeping lion. Let her sleep, for when she wakes she will shake the world.” In e-commerce, China is the world’s largest e-commerce market and accounts already for more than 40 percent of the value of worldwide transactions compared to less than 1 percent only about a decade ago. The current value of China’s e-commerce transactions is estimated to be larger than in France, Germany, Japan, the United Kingdom, and the United States combined. One explanation for China’s dominance is the explosion in use of mobile payments, which grew from just 25 percent in 2013 to 68 percent in 2016. In 2016, the value of mobile payments related to individuals’ consumption was 790 billion USD, 11 times that of the United States.[20]

Two factors drive this quick digital transformation of the Chinese Dragon. Firstly, China is benefiting from a large domestic market to achieve scale and to surround itself with rich ecosystems of start-ups, suppliers and customers. In 2016, 731 Million of China’s 1.4 billion citizens use the internet, more than the European Union and the United States combined. Beyond scale, it is the enthusiasm for digital tools among China’s much younger consumer base, which accelerates growth and quick adoption.  

Platform Economy per Region

Such an imbalance can also be found in the platform economy. According to the Center for Global Enterprise, the Asia-Pacific has seen the creation of 82 digital platforms with close to 350,000 employees and combined market capitalization of 930 billion USD. Europe is trailing behind both the United States and the Asia-Pacific region in encouraging successful platform enterprises. Only 27 digital platforms were created in Europe, with 109,000 employees and a combined market capitalization of 181 billion USD. However, Europe and China do not come close to the combined market capitalization of U.S.-based digital platforms – about 3 trillion USD.[21]

Market Capitalization: Financial Strength in Tech

From 2010 to 2017, the market capitalization of GAFAM companies (Google/Alphabet, Amazon, Facebook, Apple, and Microsoft) increased by 2.6 trillion USD. In contrast, the value of the 28 non-GAFAM companies that make up the Dow Jones Industrial Average rose 2.1 trillion USD. In China, Alibaba and Tencent are among the 10 most valuable companies in the world and, along with Baidu, are collectively worth more than 1 trillion USD.[22]In today’s digital economy the U.S. and China are the two centers of gravity, where their tech giants dominate the markets. Out of the top 10 companies by market capitalization nine are based in these two countries.

There is another aspect aside from duality between the U.S. and China driven by the winner-take-all mentality of digital companies in the U.S. and China. Looking at the 20 world’s largest tech giants, there is a divide between top-tier companies and those further down the ladder. The top companies on the list like Apple, Alibaba, Alphabet, Amazon, Microsoft and Tencent are all above the 450 billion USD mark and account for over 80% of the total value of Top 20 tech companies. Not a single company hoovers between 200 and 450 billion USD. This underpins the divide. First of all, digitalization is driven by American or Chinese companies, and secondly, for tech newcomers it is pretty hard to vault into the upper echelon of the market. The only European company in the Top 20 ranks is German based SAP. 

Part 2 of the article deals with European Strategies to gain better traction in the competitive race.

The article is part of proceedings of a conference in Singapore, summer 2018.


[1]         Gigova, Radina. 2017. Who Vladimir Putin thinks will rule the world. https://edition.cnn.com/2017/09/01/world/putin-artificial-intelligence-will-rule-world/index.html. Accessed 18.12.2018.

[2]         Grand View Research. 2017. Artificial Intelligence Market Analysis By Solution (Hardware, Software, Services), by Technology (Deep Learning, Machine Learning, Natural Language Processing, Machine Vision), by End-use, By Region, and Segment Forecasts, 2018 – 2025. https://www.grandviewresearch.com/industry-analysis/artificial-intelligence-ai-market/methodology. Accessed 18.12.2018.

[3]         CB Insight. 2018. Artificial Intelligence Trends To Watch In 2018. https://www.cbinsights.com/research/report/artificial-intelligence-trends-2018/. Accessed 18.12.2018.

[4]         Lee, Kai-Fu. 2018. AI Superpowers: China, Silicon Valley and the New World Order. 

[5]         European Commission. 2018. Communication „Artificial intelligence for Europe“,https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/news/factsheet-artificial-intelligence-europe,Accessed 18.12.2018.

[6]         European Commission. 2018. Digital Transformation Monitor. USA-China-EU plans for AI: where do we stand? https://ec.europa.eu/growth/tools-databases/dem/monitor/sites/default/files/DTM_AI%20USA-China-EU%20plans%20for%20AI%20v5.pdf. Accessed 18.12.2018.

[7]         European Commission, 2018. EU Member States sign up to cooperate on Artificial Intelligence. https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/news/eu-member-states-sign-cooperate-artificial-intelligence.Accessed 18.12.2018.

[8]         European Commission. 2018. Communication „Artificial intelligence for Europe“. https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/news/factsheet-artificial-intelligence-europe. Accessed 18.12.2018.

[9]         Peter Altmaier at the Digitalgipfel, 4.12.2018. 

[10]     Delponte, Laura. 2018. European Artificial Intelligence (AI) leadership, the path for an integrated vision.http://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/STUD/2018/626074/IPOL_STU(2018)626074_EN.pdf.Accessed 18.12.2018.

[11]       Thompson, Nicholas. 2018. Emmanuel Macron talks to wired about france’s ai strategy, 31.3.2018, https://www.wired.com/story/emmanuel-macron-talks-to-wired-about-frances-ai-strategy/.Accessed 18.12.2018.

[12]       CB Insight. 2018. The Global Unicorn Club. https://www.cbinsights.com/research-unicorn-companies. Accessed 18.12.2018.

[13]       GAFAM stands for Google, Alphabet, Facebook, Amazon, Microsoft. 

[14]       Candelon 2018.

[15]       Collectively known as BAT.

[16]       Woetzel, Jonathan et. al.. 2017. China’s digital economy. A leading global force. https://www.mckinsey.com/featured-insights/china/chinas-digital-economy-a-leading-global-force. Accessed August 2018.

[17]       Candelon, François, Reeves, Martin, and Daniel Wu. 2018. 18 of the Top 20 Tech Companies Are in the Western U.S. and Eastern China. Can Anywhere Else Catch Up?. Harvard Business S 3/5/2018.

[18]       Scott, Mark. 2018. Goodbye internet: How regional divides upended the world wide web

Governments have broken the world wide web. 28.1.2018, Politico, https://www.politico.eu/article/internet-governance-facebook-google-splinternet-europe-net-neutrality-data-protection-privacy-united-states-u-s/.Accessed 18.12.2018.

[19]       Desjardins, Jeff. 2017. The 57 Startups That Became Unicorns in 2017, https://www.visualcapitalist.com/57-startups-unicorns-in-2017/.Accessed 18.12.2018.

[20]       Woetzel, Jonathan et. al.. 2017. China’s digital economy. A leading global force. https://www.mckinsey.com/featured-insights/china/chinas-digital-economy-a-leading-global-force. Accessed August 2018.

[21]       Evans, Peter, and Gawer, Annabelle. 2016. The Rise of the Platform Enterprise: A Global Survey, Center for Global Enterprise, 2016. 

[22]       Candelon, François, Reeves, Martin, and Daniel Wu. 2018. 18 of the Top 20 Tech Companies Are in the Western U.S. and Eastern China. Can Anywhere Else Catch Up?. Harvard Business S 3/5/2018.

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Wahlkampf – Trends bei den amerikanischen Zwischenwahlen

Wahlkampf – Trends bei den amerikanischen Zwischenwahlen

Die Midterms 2018 waren ein Referendum über die ersten beiden, wilden Jahre der Präsidentschaft Donald Trumps. Während manche auf eine blaue Welle demokratischer Wahlsiege für House, Senate und Governors-Wahlkämpfen hofften, kam es eher zu einer moderaten Machtverschiebung. Change is the new normal. Den Wahlkampf zu den Midterms kennzeichnete eine hoher Mobilisierungsgrad und eine große Experimentierfreude mit neuen Wegen der Wähleransprache. Für PuK hat Mario Voigt vor Ort die neusten Entwicklungen im Campaigning in den USA beobachtet.

1.Digitales Marketing 

Die digitale Revolution in der Wähleransprache in den USA hält an. War die Präsidentschaftswahl durch digitale Wählersegmentierung und Cambridge Analytica geprägt, wuchsen die Ausgaben für digitale Werbung und digitalen Anspracheformen im Wahlkampf der Midterms unaufhaltsam. 

Nach dem Präsidentschaftswahlkampf 2016 verschärften Facebook, Google und Twitter ihre Richtlinien für politische Akteure und Werbung in den USA. Dennoch setzen die amerikanischen Kampagnen unvermindert auf die digitale Transformation in der Wähleransprache. Die organische Reichweite in sozialen Netzwerken schrumpft, die Bedeutung der Präsenz im digitalen Raum wächst und in der Konsequenz steigen die digitalen Werbebudgets. Soziale Netzwerke haben sich in Sachen Wahlkampf zu zahlpflichtigen Medienkanäle entwickelt. Sie sind Toolkit für die gezielte Ansprache von Wählern auf der Grundlage ihres bisherigen Online-Verhaltens und  sehr mächtige politische Mobilisierungsinstrumente.

Zwar sind die USA immer noch das Land des Fernsehens und die Fernsehwerbung auf den Kabelkanälen sowie ausgewählten Nischenkanälen überwiegen. Ungefähr die Hälfte der rund 8,9 Milliarden US-Dollar, die für politische Werbung in den Midterms ausgegeben wurden, entfielen auf TV.  Doch der schnellst wachsende Anteil des Werbebudgets fließt in digitale Medien! Rund 1,8 Milliarden US-Dollar und damit 20% des Gesamtbudgets wurden von politischen Akteuren für die Midterms auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene für digitale Kommunikation ausgegeben. Bei der vorherigen Zwischenwahlen waren es gerade mal 3,3 Prozent. 

Digitale Kommunikation über Display-Werbung auf wesentlichen Online-Seiten, Ads in Social Media, ausgefeiltes E-Mail-Marketing, gezielte SEO oder Gamification durch Apps machen mittlerweile einen wichtigen Teil der politischen Kampagnen in den USA aus. Zum Beispiel floss das Mediabudget des größten Super PAC der Demokraten „Priorities USA Action“ von 50 Millionen US-Dollar ausschließlich in digitale Werbung, ein Großteil davon auf Facebook und Google. Das Credo lautet: Wer mit dem Wähler kommunizieren will, muss online gehen!

2. Peer-to-Peer: Schnelle und direkte Kommunikation per SMS

Das Smartphone ist mittlerweile zu dem persönlichen Kommunikationsinstrument geworden. Jeden Tag textet man mit Freunden und Bekannten. Das neuste NewTech-Spielzeug der personalisierten Wähleransprache in den USA waren großangelegte SMS-Kampagnen. Während die direkte E-Mailansprache bereits in den vorherigen Kampagnenzyklen eine große Rolle spielte, griffen die Wahlkämpfer bei den Midterms auf die Kommunikation durch SMS-Textnachrichten zurück.

Erfolgreiche Nachrichten und Konversationen per SMS

Über Online-Plattformen oder mobile Anwendungen sandten die Kampagnen individuelle und personalisierte Textnachrichten, um Wähler, Aktivisten und Spendern zu organisieren und zu informieren. Der Kontakt Mensch-zu-Mensch wurde weiter digitalisiert, personalisiert und schafft es unmittelbar auf den privaten Handybildschirm der Wähler. 

Demokraten und Republikaner nutzten die Möglichkeit in den Midterms 2018 intensiv und setzten beispielsweise die Dienste von Hustle und RumbleUp ein.

Die SMS kosteten die Wahlkampagnen je nach der potentiellen Anzahl der versendeten Nachrichten:

  • kleine Kampagnen: 10-15cent pro Kontakt
  • große Kampagnen: 5-7cent pro Kontakt

Gerade der schnellere Kontakt und die höhere Aufmerksamkeit führte die Wahlkämpfer dazu, auf SMS zu setzen. Die Erfahrungswerte zeigten; in der Unübersichtlichkeit der elektronischen Postfächer gingen zahlreichen Emails unter und fanden manchmal erst am nächsten Tag Beachtung. Und die Öffnungsrate sind niedrig. Dagegen lag sie bei SMS-Texten bei über 98%, und eine Kampagne wusste von 90% sogar innerhalb der ersten 3 Minuten zu berichten. 

Kampagnen setzten SMS-Texting sehr unterschiedlich ein. Die Demokraten nutzen SMS eher für das organisieren, während die Republikaner sie strategisch für die Mobilisierungsbotschaft nutzten. Die Wahlkampagnen nutzten die SMS-Nachrichten zugeschnitten auf die einzelnen Wahlkreise und konzentrierten sich auf wahlkampfrelevante Aufmerksamkeitsfenster: Early Vote, Abwesenheits-Push / Chase, Event-Turnout, Fundraising und Get Out The Vote. Es war keine Seltenheit, dass eine Kampagne 5-7 Nachrichten an Wähler sandte. So kontaktierte in der heißen Wahlkampfphase manche Senatskampagne über 150.000 potentielle Wähler täglich per SMS-Nachrichten.

3. Money: Digital Fundraising mit Kleinspenden, SMS und Online 

Die große Abneigung der Demokraten und ihrer Anhängerschaft drückte sich nicht nur an der Wahlurne, sondern auch im Portmonee der Kampagnen aus. Zum ersten Mal in zehn Jahren konnten die Demokraten mehr Spenden sammeln als die Republikaner. Besonders bei den Kleinspendern und Spendern durch neue Technologien legten die Demokraten zu. Absoluter Fundraising-Star der Demokraten Beto O’Rourke kam allein in einem Quartal auf über 36 Mio. Dollar. Doch auch Donald Trump sammelte fleißig und startet in seine Wiederwahlkampagne 2020 mit über 100 Mio. Dollar in der Tasche. Das Digital Fundraising sprang im Vergleich zum Präsidentschaftswahljahr von 634 Mio. auf 1,3 Mrd. Dollar. Über 34 Mio. Spender gaben im Durchschnitt 38,53 Dollar. 

Fundraising per SMS

Besonders das Fundraising per SMS nahm als neuer Trend Fahrt auf. Mit großer Geschwindigkeit und Leichtigkeit konnten Unterstützer einfach per Textnachricht an politische Kampagnen spenden. Neben bloßen Aufforderungen zu spenden, gehört „Text-to-Donate“ wahrscheinlich zu den größten Neuerungen im Fundraising. Der Anbieter Anedot ermöglichte es registrierten Spendern, auf einen Text mit „JA“ und dem Betrag zu antworten und so automatisch zu spenden. Unmittelbar wurde eine Quittung erstellt und per E-Mail zugestellt. 

4. „Political Stalking“: Echtzeit-Feedback und Werbung

Wir erleben die digitale Disruption des Politischen und eine Wendung der politischen Kommunikation hin zur Echtzeitkommunikation auf unterschiedlichen digitalen Plattformen. Dies führt zu einer wachsenden Sichtbarkeit von politischen Debatten und Inhalten. Es ermöglicht aber auch einen nahezu synchronen Feedbackkanal, um noch stärker Stimmungen zu messen, Argumente, Positionen und Auftritte zu prüfen. Genau auf diese Möglichkeiten setzen amerikanische Kampagnen.

Wähler in Schlüsselstaaten und Kongressbezirken wurden während der Midterms durch Re-Targeting, genaue Datenanalysen und andere Trackingmöglichkeiten „verfolgt“. Solche Techniken waren bisher nur aus dem Produktmarketing bekannt. Mancher Beobachter sprach von „political stalking“ über unterschiedliche Plattformen und Geräte, die eine hohe Dichte an politischer Werbung ermöglichte. Dabei testeten die amerikanischen Kampagnen digitale Tools für skalierbare Mikro-Petitionen per Mail, A/B-Testing in der Wirkungsanalyse oder Instant-Feedback bei Facebook durch Likes und Emojis, um potentielle TV-Werbung zu prüfen. Potenzielle Wähler kam bis zu 30 Mal mit einer individualisierten, digitalen Anzeige in Berührung.

5. Events: Viraler Selfie-Outreach 

Trump kämpfte aktiv für die Mobilisierung bei den Zwischenwahlen. Zwei lange unterschätzten Instrumente waren Tür-zu-Tür und die klassischen Wahlkampfveranstaltungen im Konzert mit digitalen Outreach-Möglichkeiten. Gerade die Veranstaltungen erfuhren noch mehr Professionalisierung. Während des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 hielt Trump bereits über 323 Wahlkampfveranstaltungen in 40 Bundesstaaten ab. Seit seiner Amtseinführung bis zu den Zwischenwahlen waren es über 60. Die Anzahl seiner Wahlkampfveranstaltungen und die Intensität der Auseinandersetzung führten zu einer großen Anzahl an Zuschauern, sowohl live vor Ort als über gestreamte Veranstaltungen. Ähnlich verhielt es sich bei seinen Kindern Ivanka und Donald Trump jr.. Ein wesentliches Ziel war nicht nur die Mobilisierung der Besucher vor Ort, sondern auch deren soziale Netzwerke zu erreichen. Nach den Ansprache nahmen sich die Redner noch mindestens 20 Minuten Selfie-Zeit, um die kommunikative Reichweite in die persönlichen Netzwerke der Teilnehmer über Whatsapp, Facebook oder Twitter zu erhöhen. Dadurch verbanden die Kampagnen Offline- und Online-Kommunikation mit Viralität.

Rally mit Donald Trump jr.

Die Midterms 2018 waren ein großes Experimentierfeld für die zukünftigen Wahlkämpfe und die Präsidentschaftswahl 2020. Es ging vor allem darum, Grenzen digitaler Strategien (beispielsweise Werbesättigung) zu identifizieren, den Einsatz und die Kombinationsmöglichkeit zwischen direkter Ansprache, Wahlkampfveranstaltungen und digitaler Werbung zu optimieren. Während digitale Wahlkampfkommunikation in Deutschland in den Kinderschuhen steckt, wird in den USA einzig und allein ein Wettstreit über Technologie- und Effizienzvorsprünge geführt. Bei aller Technologieeuphorie galt aber der alte Grundsatz: „Message over Mechanics“. Demokraten und Republikaner verstanden es mit kontroversen, emotionalisierenden Themen wie Identität, Grenzsicherung, Supreme Court-Richter Brett Kavanaugh oder Impeachments ihre Wähler zu mobilisieren.

Im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen 2020 ist das Trump-Team optimistisch:  Sie haben einen Kandidaten, die Kampagneninfrastruktur in den Bundesstaaten ist aufgebaut und sie sind fleißig am Geld sammeln, während mindestens über 20 Demokraten um die Rolle des Herausforderers streiten werden. 

Der Artikel erschien auch in Politik&Kommunikation.

Midterms 2018: Kein Denkzettel für Trump

Midterms 2018: Kein Denkzettel für Trump

Die Midterms 2018 sind ein Referendum über die ersten beiden, wilden Jahre der Präsidentschaft Donald Trumps. Während manche von einer blauen Welle demokratischer Wahlsiege für House, Senate und Governors-Wahlkämpfen sprechen, zeichnet sich eher eine moderate Machtverschiebung ab. Bei den Midterms in den USA gibt es kein Denkzettel für den Präsidenten Trump. Klick um zu Tweeten

Amerika ist gespalten und wütend wie seit Jahren nicht mehr. Die Zwischenwahlen am 6. November stehen an und das Land hat einen Wahlkampf erlebt in dem sich Politiker als Schurken, Narren oder Verräter beschimpft haben, ein Anhänger von Präsident Donald Trump Bomben an 14 Gegner schickte und der schlimmste antisemitischen Anschlag in der amerikanischen Geschichte verübt wurde. Es stellt sich die Frage, wer das politische Washington dominieren wird?

Der wahrscheinliche Ausgang:

  • die Demokraten gewinnen knapp die Mehrheit im Repräsentantenhaus
  • die Republikaner verteidigen den Senat
  • beide Parteien verzeichnen Gewinne und Verluste bei den Gouverneurswahlen

Damit bewegen sich die Midterms im Rahmen historischer Resultate: die Partei des Präsidenten verliert leicht, aber es sieht nicht nach einem Denkzettel für Trump aus. Wenige halten es sogar für möglich, dass die Republikaner auch das Repräsentantenhaus halten, denn die Demokraten müssen 23 Sitze zulegen. Historisch liegen die Gewinne der Partei, die nicht den Präsidenten stellt bei den Midterms bei 33 Sitzen.

 

Drei Erkenntnisse zeichnen sich bereits vor dem Wahltag ab:

Trump kämpfte aktiv für die Mobilisierung seiner Wählerschaft

Trump kämpfte aktiv für die Mobilisierung bei den Zwischenwahlen. Die Anzahl seiner Wahlkampfveranstaltungen und die Intensität der Auseinandersetzung führen dazu, dass die Wahlbeteiligung höher als bei vorherigen Wahlen ausfallen wird. Trump verstand es, mit kontroversen, emotionalisierenden Themen wie Grenzsicherung, Supreme Court-Richter Brett Kavanaugh oder der Androhung eines demokratischen Impeachments seine Wähler von 2016 zu mobilisieren.

Demokraten gewinnen den Fundraising-Kampf

Die große Abneigung der Demokraten und ihrer Anhängerschaft drückt sich nicht nur an der Wahlurne, sondern auch im Portmonee der Kampagnen aus. Zum ersten mal in zehn Jahren konnten die Demokraten mehr Spenden sammeln als die Republikaner. Besonders bei den Kleinspendern und Spendern durch neue Technologien legten die Demokraten zu. Absoluter Fundraising-Star der Demokraten Beto ORourke kam allein in einem Quartal auf über 36 Mio. Dollar. Doch auch Donald Trump sammelte fleißig und hat schon über 100 Mio. Dollar für seine Wiederwahlkampagne in der Tasche.

Polarisierung der USA hält an und wird stärker

Wer sind deine Freunde? Pew über Demokraten und Republikaner

Die USA bleiben ein gespaltenes Land. Die Intensität der politischen Auseinandersetzung wächst. Die

Ausschläge zwischen demokratischen und republikanischen Anhängern werden größer. Das angesehene Pew-Institut misst die Anzahl der Freunde mit unterschiedlicher politischer Meinung und die werden weniger. So diskutieren Demokraten und Republikaner lieber unter sich.

Im Gespräch mit dem Director for Politics Research des Pew Instituts ist die Prognose klar: Die Polarisierung wird bleiben.

Caroll Doherty, Director Political Research bei Pew


Die Trennlinie verläuft auch in den unterschiedlichen Regionen zwischen Stadt und Land. Bereits 2016 konnte Trump über 80 Prozent der 3141 Counties gewinnen. Den Vorteil der Demokraten in den Metropolen und größeren Städten konterten die Republikaner mit hohen Zustimmungswerten im kleinstädtischen und ländlichen Amerika. Vielmehr noch als eine geographische Größe offenbart sich hierin ein kultureller Werteunterschied: „Trump’s victory was an empire-strikes-back moment for all the places and voters that feel left behind in an increasingly diverse, post-industrial, and urbanized America“. In den homogeneren ländlichen Regionen wird Trump und seine Partei mit einer wirtschaftsbetonten und auf die weiße Arbeiterklasse orientierte Botschaft deutliche Gewinne verzeichnen.

 

Going Private: SMS-Messaging in den Kampagnen

Going Private: SMS-Messaging in den Kampagnen

Heute schon getextet? Das neuste NewTech-Spielzeug der personalisierten Wähleransprache sind grossangelegte SMS-Kampagnen. Während die direkte E-Mailansprache bereits in den vorherigen Kampagnenzyklen eine große Rolle spielte, greifen die Wahlkämpfer bei den Midterms auf die Kommunikation durch SMS-Textnachrichten zurück.

SMS: Schnelle und direkte Kommunikation

Das Smartphone ist mittlerweile zum persönlichsten Kommunikationsinstrument geworden. Und jeden Tag textet man Freunden und Bekannten. Amerikanische Kampagnen nutzen das Instrument SMS-Texting für die politische Kommunikation.

Über Online-Plattformen oder mobile Anwendungen senden die Kampagnen individuelle und personalisierte Textnachrichten, um Wähler, Aktivisten und Spendern zu organisieren und zu informieren. Der Kontakt Mensch zu Mensch wird digitalisiert, personalisiert und schafft es unmittelbar auf den privaten Handybildschirm der Wähler. So erhielten am gestrigen Tag in Nevada über 150.000 Wähler Nachrichten von einer Senatskampagne, von denen deutlich über 90 Prozent geöffnet wurden. Gerade in der Schlussmobilisierung spielen sie eine durchschlagende Rolle.

Erfolgreiche Nachrichten und Konversationen per SMS

Demokraten und Republikaner nutzen die Möglichkeit in den Midterms 2018 intensiv und setzen beispielsweise die Dienste von Hustle und RumbleUp ein.

Die SMS kosten die Wahlkampagnen je nach der potentiellen Anzahl der versendeten Nachrichten:

  • kleine Kampagnen: 10-15cent pro Kontakt
  • große Kampagnen: 5-7cent pro Kontakt

Zwei Überlegungen leiten die Wahlkämpfer auf SMS zu setzen:

1. Schnellerer Kontakt und höhere Aufmerksamkeit.

In der Unübersichtlichkeit der elektronischen Postfächer gehen zahlreichen Emails unter und finden manchmal erst am nächsten Tag Beachtung. Ihre Öffnungsrate ist niedrig. Dagegen liegt sie bei SMS-Texten bei über 98%, und eine Kampagne wusste von 90% sogar innerhalb der ersten 3 Minuten zu berichten.

2. Mehr Glaubwürdigkeit durch Peer-to-Peer-Kommunikation

Im konstante Informationsüberfluss der digitalen Welt setzen die Kampagnen auf die virale Kraft emotionaler Textbotschaften. Es gibt nicht nur generische Informationen. Besonders die Kandidatenkampagnen rufen ihre Unterstützer auf, Peer-to-Peer-Texte einzeln von einem Menschen zum Anderen zu senden. Ohne vorherige Einverständniserklärungen gewinnt der persönliche Netzwerkgedanke so an Bedeutung. Dagegen ist die Responserate bei generischen politischen Spam-Mails eher niedrig.

Kampagnen setzen SMS-Texting sehr unterschiedlich ein. Die Demokraten nutzen SMS eher für das organisieren, während die Republikaner sie strategisch für die Mobilisierungsbotschaft nutzen. Einige Anwendungsbeispiele:

  • Voter Reminders (Dates for Voter Registration, Election Day)
  • Event and Meeting Reminders
  • Invitations for Rallies and Fundraisers
  • Volunteer Coordination
  • Campaign News and Election Updates
  • Vote-by-Mail Messages
  • Media Relations
  • Staff Communications

Intensiver Kontakt nach Aufmerksamkeitsfenstern

Die Wahlkampagnen nutzen die SMS-Nachrichten zugeschnitten auf die einzelnen Wahlkreise und konzentrieren sich auf wahlkampfrelevante Aufmerksamkeitsfenster: Early Vote, Abwesenheits-Push / Chase, Event-Turnout, Fundraising und Get Out The Vote. Es ist keine Seltenheit, dass eine Kampagne 5-7 Nachrichten an Wähler sendet. Zum Beispiel nutzte die Kampagne von Bernie Sanders während der Präsidentschaftswahlen im Jahr 2016 P2P-SMS, um mit Wählern in Kontakt zu treten und Unterstützer zu ermutigen, Kundgebungen mit dem Kandidaten zu besuchen.

Gute Texte sind auf die Zielgruppe und Kampagne zugeschnitten. (Bewegt-) Bild und persönliche Botschaften helfen bei der effizienten Adressierung und dringen durch den medialen Lärm. Anhand von vorgefertigten Texten können die Freiwilligen oder Unterstützer schnell reagieren. In den nächsten Tagen kommt es zu Erinnerungs-SMS für den Wahltag und die Kampagnen verweisen auf eine potentielle Steigerung der Beteiligung um mehr als 2 Prozentpunkte.

Fundraising mit Textnachricht

Fundraising per SMS

Mit großer Geschwindigkeit und Leichtigkeit können Unterstützer einfach per Textnachricht an politische Kampagnen spenden. Neben bloßen Aufforderungen zu spenden, gehört „Text-to-Donate“ wahrscheinlich zu den größten Neuerungen im Fundraising. Der Anbieter Anedot ermöglicht es registrierten Spendern, auf einen Text mit „JA“ und dem Betrag zu antworten und so automatisch zu spenden. Unmittelbar wird eine Quittung erstellt und per E-Mail zugestellt. Falls man nicht registriert ist, kann mit einem persönlichen Spendenlink geantwortet werden.

Mario Voigt analysiert internationale Wahlkämpfe und befindet sich momentan auf Wahlkampfbeobachtung in Nevada, Virginia und Washingston D.C. , wo er republikanische und demokratische Kampagnen interviewt.

Midterms 2018: Trends in Digital Campaigning

Midterms 2018: Trends in Digital Campaigning

Die digitale Revolution in der Wähleransprache in den USA hält an. War die Präsidentschaftswahlen durch digitale Wählersegmentierung und Cambridge Analytica geprägt, wächst die digitale Werbung und digitale Anspracheformen im Wahlkampf der Midterms unaufhaltsam. Was sind die neusten Entwicklungen im digitalen Campaigning in den USA?

Nach dem Präsidentschaftswahlkampf 2016 verschärften Facebook, Google und Twitter ihre Richtlinien für politische Akteure und Werbung in den USA. Dennoch setzen die amerikanischen Kampagnen unvermindert auf den digitalen Transformation in der Wähleransprache. Die organische Reichweite in sozialen Netzwerken schrumpft, die Bedeutung der Präsenz im digitalen Raum wächst und in der Konsequenz steigen die digitalen Werbebudgets. Diese Entwicklung führte auch bei der Bundestagswahl zu einem intensiven digitalen Wahlkampf.

In knapp zwei Wochen wählen ein Großteil der Amerikaner am 06. November ihre Gouverneure, Senats- und Houseabgeordnete. In einer Mini-Serie berichte ich vor Ort von den neusten Trends. Im ersten Teil geht es um die wachsende Bedeutung digitaler Werbung.

20 Prozent des Kampagnenbudgets geht in digitale Werbung

2018 U.S. Political Ad Spending by Medium Barroll 2018

Die USA sind das Land des Fernsehens. Weiterhin. Und so dominiert auch weiterhin die Werbung auf den Kabelkanälen und ausgewählten Nischenkanälen. Schätzung von Borrell Associates rechnen mit rund 8,9 Milliarden US-Dollar, die für politische Werbung in den Midterms ausgegeben werden. Davon entfallen auf TV ungefähr die Hälfte der Ausgaben. Doch der schnellst wachsende Anteil des Werbebudgets fließt in digitale Medien! Rund 1,8 Milliarden US-Dollar und damit 20% des Gesamtbudgets werden von politischen Akteuren für die Midterms auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene für digitale Kommunikation ausgegeben. Social Media macht mittlerweile einen Großteil von politischen Kampagnen in den USA aus und wird darüber hinaus zur ständigen Kontaktpflege mit dem Wähler genutzt.

Priotities USA Action Mission

Zum Beispiel fließt das Mediabudgets des größten Super PAC der Demokraten „Priorities USA Action“ von 50 Millionen US-Dollar ausschließlich in digitale Werbung, ein Großteil davon auf Facebook und Google. Die Demokraten setzen darauf, dass immer mehr Menschen online nach Informationen suchen und dort mehr und mehr Zeit verbringen. Wer mit dem Wähler kommunizieren will, muss online gehen!

Generatives Targeting bei den Midterms

Ein Grund für den deutliche Beschleunigung der digitalen Werbung: Der Generation-Gap zwischen den sogenannten Millennials und den Baby Boomern wächst und fordert eine klare generative Targetingstrategie. Die Millennials überholen die Baby-Boomer als zahlenmäßig größte Generation der amerikanischen Wählerschaft. Beide Parteien brauchen sie zum Wahlerfolg. Amerikanische Kampagnen sind überzeugt, ihre Zielgruppen nach Generationenkohorte aufzuteilen, um Wählersegmente mit ähnlichen Lebenserfahrungen, Werten und Idealen zu finden und mit einer relevanten Botschaft anzusprechen. Dabei geben ihnen soziale Plattformen weitere Selektions- und Segmentierungsmöglichkeiten. Besonders die Demokraten sehen jüngere Wähler als Schlüssel, um die Mehrheit im Kongress zu erreichen und in engen Gouverneurswahlkämpfen zu siegen. Doch sie sind ein scheues Wesen: Bei der Präsidentschaftswahl 2016 gab nur die Hälfte der wahlberechtigten Millennials ihre Stimme ab, und etwas mehr als ein Fünftel waren es bei den letzten Zwischenwahlen 2014.

NextGen Kampagne

Mit einer umfänglichen Kampagne von NextGen America sollen 4,3 Millionen jüngere Wähler in 11 Battle-Ground-Staaten zur Wahl bewegt werden. Sie setzen neben neuartigen technologischen Segmentierungen vor allem auf eine Botschaft eines generatives Gemeinschaftsgefühls. „Ihr seid viele und müsst euren Themen und Ideen Gehör verschaffen“. Insgesamt umfassen die Kampagnen von NextGen America 33 Millionen Dollar- investiert in Anzeigen auf Facebook, Instagram bis zum Video-Streaming-Dienst Hulu und Twitch. In ihrer Jungwähleransprache setzen sie auf generatives Targeting und geben keinen Cent für Fernsehwerbung aus.

Digitale Experimente für die nächste Präsidentschaftswahl

Die Midterms 2018 gelten als Experimentiermöglichkeit für zukünftige digitale Wahlkämpfe und die Präsidentschaftswahl 2020. Es geht vor allem darum, Grenzen digitaler Strategien (beispielsweise Werbesättigung) zu identifizieren und den Einsatz digitaler Werbung effizienter zu gestalten. Während digitale Wahlkampfkommunikation in Deutschland in den Kinderschuhen steckt, wird in den USA einzig und allein ein Wettstreit über Technologie- und Effizienzvorsprünge geführt. Kandidaten nutzen die Midterms, um nicht nur im eigenen Wahlkreis, sondern bundesweit Daten zu sammeln, Anzeigen zu testen und zu analysieren.

Ted Cruz Digital Fundraising

Potentielle Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen nutzen ihre digitalen Werbe- und Aktivierungsanstrengungen bereits im Hinblick auf das Wahljahr 2020. Ted Cruz konzentrierte sich auf eine nationale digitale Werbekampagne, um Präsident Trump 2020 möglicherweise herauszufordern. Momentan muss er aber gegen den Fundraising Shooting-Star und demokratischen Herausforderer Beto O’Rourke ums politische Überleben kämpfen. Bis Ende Juni gab O’Rourke fast 5 Mio Dollar für digitale Werbung aus und führt die digitale Kampagnenfähigkeit unter einzelnen Kandidaten an. Dagegen testet und experimentiert der Präsident im Digitalen. Trump bleibt einer der größten digitalen Player. Er führt eine permanente digitale Kampagne mit Blick auf das Präsidentschaftswahljahr 2020 an. Das Zentrum für Responsive Politics hat die digitalen Ausgaben seiner Kampagne bis zum 30. Juni auf 8,6 Millionen US-Dollar geschätzt. Die demokratische New Yorker Senatorin Kirsten Gillibrand gab bis August 1,5 Millionen Dollar für Facebook-Anzeigen aus – nur etwa 9% konzentrierten sich auf Gillibrands Heimatstaat.

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